Alpenrennen am Stilfserjoch als Vorlauf zur Int. Alpenfahrt
Die erste Alpenquerung fand wohl 1895 durch die Bezwingung des St. Gotthard-Passes mit einem Peugeot Quadricyle statt. Das erste Bergrennen der Geschichte gab es 1897 von Monte Carlo aus auf der Bergstrasse La Turbine, am Steuer kein geringerer als Andre Michelin unter dem Pseudonym Pary.
Die erste wirklich grosse Bewährungsprobe für Mensch und Maschine gab es dann durch den Österreichischen Touring Club Ö.T.C. im Jahr 1898 mit der „Automobilfahrt durch Südtirol“ über gigantische 465,6 km, die Route führte von Trafoi über die schon seit 1825 bestehende abenteuerliche Bergstrasse über das Stilfser Joch im Eisack- und Pustertal bis nach Cortina und wieder zurück nach Bozen. Die Dolomiten waren strassenseitig erst teilweise erschlossen. Der Sieger Gottlieb Daimler war samt seiner 6 PS Kutsche, die erstmals über eine elektromagnetische Zündung verfügte, per Bahn aus der Schweiz angereist. So fand das erste Alpenrennen in Österreich auf einem Siegerwagen aus Österreich statt, die 7 PS Benz hatten das Nachsehen.
Alpenfahrt - die älteste Rallye der Welt
Die älteste Rallye der Welt gab es aber nicht in Monte Carlo, sondern es war die Alpenfahrt im Jahr 1910. Wien war damals die fünftgrösste Stadt der Welt mit 2,1 Mio Einwohnern, sogar grösser als Berlin. Es gab den Ring teilweise schon als Prachtstrasse, aber kaum Autos. Der Kaiser liess sich lieber jeden Tag mit der Kutsche von der Hofburg über die Maria Hilfer Strasse in seine Residenz nach Schönbrunn bringen.
Schon 1907 gab es eine Wertungsfahrt von Wien nach Klagenfurt, wo der Semmering bewältigt werden musste. 1909 hatte Baron Walther Franz die kühne Idee, man solle mit einer Fahrt über die Alpenpässe die Bergtauglichkeit der Automobile auf die Probe stellen. Das war der Grundstein für die erste Alpenfahrt im Jahre 1910.
1909 war Markgraf Alexander Palavicini zum Präsidenten des Österreichischen Automobil Clubs gewählt worden. Der achtzigjährige Kaiser gewährte am 17. Juni 1910 sogar die Führung der Ehrenbezeichnung K&K.
Am 26. Juni 1910 wurde die erste Alpenfahrt gestartet.
Doch obschon dieser Aufbruch in eine neue Zeit der Mobilität gefeiert wurde, versagte kurz vor dem Start der K&K Statthalter von Niederösterreich unter Protest die Abhaltung des Semmering-Rennens, als wesentlichen Bestandteil der Alpenfahrt. Dieses Grossereignis war aber nicht mehr zu verhindern, am 26. Juni 1910 wurde die erste Alpenfahrt gestartet.
Der erste Sieger der Alpenfahrt 1910 war nach 867 km Sascha Graf Kolowrat auf einem Laurin & Klement also auch einem echt Österreichischem Wunderwerk. Ist es ein Zufall, dass die ÖAMTC-Residenz später am Kolowrat-Ring 3 zu Hause war, bevor daraus der Schubertring geworden war?
In der Idee , die Standfestigkeit der Automobile unter Beweis zu stellen, war nicht der Einzelsieg von grösster Bedeutung , sondern die Teamwertung - und die ging an drei Laurin & Klement von Kolowrat, Draskovich und Hieronimus, Chefkonstrukteur bei Laurin & Klement.
So war die Alpenfahrt zur Nachfolgerin des Semmering-Bergpreises geworden. Die zweite Auflage gab es im Mai 1911 und sie ging gleich über 1421 Kilometer. Und wieder war die Teamwertung am heissesten umkämpft. Fast sah es nach einer Wiederholung des Vorjahressieger durch Laurin & Klement aus, aber schliesslich warten drei Austro Daimler mit Ferdinand Porsche, Eduard Frische und Graf Heinrich Schönfeld am Podium. Einer der drei Werkswagen wurde vom ältesten Enkel nach Ferdinand Porsche, nämlich Ernst Piech erworben und für die Nachwelt perfekt restauriert. Eine weitere harte Konkurrenz, nämlich drei Wagen der von August Horch neu gegründeten Marke Audi waren nahe dran.
Sascha Graf Kolowrat hatte den Einfall, den Triumph des Automobils kinematografisch festzuhalten, die Geburtsstunde der Sacha Film lag also in den Kehren der Alpenfahrt, wo der Katschberg und der Loiblpass mit 30 % Steigung vorerst als unüberwindbar schienen.
Schon1912 wurde die Alpenfahrt beträchtlich ausgeweitet, 2364 km standen am Programm und erstmals mussten 27.633 Höhenmeter bewältigt werden , darunter auch die 1909 neu eröffnete Dolomitenstrasse. Südtirol war ja damals das alpine Herz Österreichs und die Prachtstrasse führte von Bozen über die Dolomitenpässe nach Cortina. 85 Wagen waren am Start und nicht weniger als 51 davon in 17 gemeldeten Werksteams, was neuerlich unterstreicht, dass die Teamwertung der echte Goldpokal der Alpenfahrt war. Alle grosse Marken waren dabei von Rolls-Royce bis Cadillac. Die Alpenfahrt wurde vielfach kopiert und bald gab es ähnliche Bewerbe in allen Alpenländern.
Im Juni 1914 lief die Alpenfahrt fast zur Gänze in Österreich ab , wobei Italien, Slowenien und Kroatien eben ganz österreichisch waren, nur mit der Hafenstadt Fiume wurde ungarisches Gebiet befahren. Bei der Siegerehrung gab es heftigen Streit, zu viele Teams hatten die Prüfungen ohne Strafpunkte bewältigt, es gab aber nur einen Wanderpokal für die Sieger. Schliesslich hat der K&K Ö.A.C fünf Kopien anfertigen lassen, das Original blieb bis heute beim Nachfolger ÖAMTC.
Diese Lösung gab es am 27. Juni1914, tags darauf brach der erste Weltkrieg aus. Auch der konnte aber die Alpenfahrt nicht umbringen. Das schaffte erst der ÖAMTC in einem beschämenden internen Machtkampf und damit wurde die alte Alpenfahrt 1973 zu Grabe getragen.
Nun ist sie wieder auferstanden.
Ohne Kontroversen ging es aber auch diesmal im Jahr 2025 nicht ab. Nach einem eher patscherten Erstversuch im Jahr 2023 gab es diesmal eine durch den Rallyeprofi Rudi Wallner perfekt ausgesuchte Strecke von Melk ins Wein- und Waldviertel, sogar Naturstrassen waren dabei. Der gewählte Schnitt von maximal erlaubten 50km/h über die gesamte Distanz war herausfordernd, aber mit hoher Konzentration machbar. Am besten wurde das durch das Team Spidersport by Vredestein bewiesen.
Eine fehlerhafte Auswertung der teilweise unglaubliche 0,00 sec. Zeitabweichung kann ja passieren. Dass aber der rechtzeitig schriftlich eingebrachte Prostest des Team-Prinzipals nicht erhört worden war und auch eine rechtzeitige mündliche Intervention einfach übergangen wurde, zeigt von hoher Ignoranz gepaart mit totaler Unwissenheit über das gültige nationale Sportgesetz, die Bestimmungen der AMF und des Dachverbandes FIVA für Historischen Automobilsport. Per Presseaussendung wurde am Tag nach der peinlichen Siegerehrung zwar eine Korrektur angebracht, aber der Schaden war angerichtet. Entschuldigung erfolgte keine, die Übermittlung der richtigen Pokale hat Wochen gedauert, gepaart mit unpassenden Bemerkungen. Der Organisationsleiter hat sich damit endgültig selbst disqualifiziert.
Es wird weitere Alpenfahrten geben, aber hoffentlich unter professioneller Leitung.
Fairerweise muss auch noch angefügt werden, dass der ehemalige Presseboss von BMW Österreich, Fritz Fruth den Versuch eines Alpenfahrt-Revivals unternommen hatte, man kam aber nur von Baden bis zum Semmering. Echt toll war die Wiederbelebung im Jahr 2010 mit der neuen Heimat Bad Kleinkirchheim und dem traditionellen Start in Velden. Über einige Jahre wurden die tollsten Strecken in Friaul und in Slovenien mit einbezogen. Der Versuch, Automobilsport mit touristisches Bettenfüllen zu verbinden ging so lange gut, als die Politik stabiler Sponsor war.
Die heurige Alpenfahrt 2025 wird also Fortsetzungen finden. Schliesslich wollen Rallyegrössen wie Rauno Aaltonen, Franz Witmann, Sepp Haider, Jochen Neerparsch etc sich ja neuerdings beweisen. Wer weiss, taucht auch noch mal der Daimler-Siegerwagen mit Ernst Piech am Steuer auf. Dass man bei der Streckenführung auch wieder über die Alpen finden möge, ist ein grosser Wunsch der professionellen Rallye-Gemeinde. Die will toll Autofahren und ist auch mit weniger Show am geplünderten Buffet einverstanden. So ist die Alpenfahrt keine Konkurrenz zur etablierten Ennstal oder Kitzbühel Allpenrallye, sondern die Wiederauferstehung einer gloriosen Vergangenheit der Automobilität Österreichs durch die Jahrhunderte.
Spidersport Siegerteam der Alpenfahrt 2025: Stefan Dangl, Werner Fessl, willyIlly und Sepperl Pointinger
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